Vorsorgeuntersuchungen spielen eine entscheidende Rolle für die gesunde Entwicklung von Kindern. Während die frühen U-Untersuchungen bis zur U9 von den Krankenkassen übernommen werden, entfällt die Kostenübernahme ab der U10 bei vielen Kassen. Dabei liefern gerade diese späteren Untersuchungen wertvolle Erkenntnisse zur weiteren Entwicklung der Kinder.
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Im Gespräch mit Dr. Stefan Zink, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, werfen wir einen Blick auf die Bedeutung der U- und J-Untersuchungen und warum es sich lohnt, auch nach der U9 dranzubleiben.
Prävention statt spätere Behandlung
Dr. Zink erklärt: “Vorsorgeuntersuchungen helfen uns, Entwicklungsauffälligkeiten frühzeitig zu erkennen. In der normalen Sprechstunde sehen wir Kinder oft nur, wenn sie krank sind. Dann bleibt wenig Zeit für eine ganzheitliche Betrachtung. Die U-Untersuchungen hingegen geben uns Raum, um gezielt auf Entwicklung, Sprache, Motorik, Gewicht und allgemeines Wohlbefinden einzugehen.”
Ein Beispiel: Adiposität im Kindesalter kann das Risiko für Diabetes, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Erwachsenenalter erheblich steigern. Durch regelmäßige Vorsorge kann hier frühzeitig gegengesteuert werden.
Warum werden spätere Untersuchungen oft ausgelassen?
Viele Eltern sind mit den frühen U-Untersuchungen bis zur U9 vertraut, da sie engmaschig bis zur Einschulung durchgeführt und im U-Heft dokumentiert werden. Danach entfällt dieses strukturierte System. Hinzu kommt, dass die U10, U11 und J2 keine Pflichtleistungen der gesetzlichen Krankenkassen sind. Oft wissen Eltern nicht einmal, dass es diese Untersuchungen gibt.
Dabei sind sie gerade zwischen dem 10. und 17. Lebensjahr besonders wichtig. Dr. Zink erläutert: “Zwischen Grundschule und Pubertät gibt es enorme körperliche und psychosoziale Veränderungen. Ernährung, Bewegung und schulische Herausforderungen beeinflussen die Entwicklung stark. Zudem können starker Medienkonsum, ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel langfristig problematische Folgen haben. Durch regelmäßige Vorsorge können wir frühzeitig gegensteuern.”
Welche Leistungen bieten die späteren U- und J-Untersuchungen?
Neben der Überprüfung von Größe, Gewicht und allgemeinen Gesundheitswerten werden im Rahmen der U10 bis J2 auch wichtige medizinische Checks durchgeführt:
Impfstatus-Check: Vergessene Impfungen werden nachgeholt.
Schilddrüsen-Screening (ab U11): Untersuchung auf Veränderungen wie eine Struma oder Gewebsauffälligkeiten.
Blutuntersuchung (J1): Ausschluss von Eisenmangel, Schilddrüsenstörungen, Leber- oder Nierenschäden sowie erblich bedingten Blutfettwerterhöhungen.
Diese Untersuchungen können wertvolle Hinweise auf gesundheitliche Risiken geben, die sonst oft erst später entdeckt würden.
Welche Kassen übernehmen die Kosten?
Viele Krankenkassen übernehmen die U10, U11 und J2 nicht regulär. Doch es gibt Alternativen. Dr. Zink betont: “Als Mitgliedspraxis im Gesundheitsnetz QuE nehmen wir an einem Vertrag zur Besonderen Versorgung teil. Das bedeutet, dass AOK-Versicherte unter anderem die U10 und U11 kostenfrei in Anspruch nehmen können. Zudem gibt es spezielle Beratungsangebote zu klimabewusster Ernährung und Bewegung.”
Auch andere Krankenkassen wie die TK oder SBK bieten teilweise eine Kostenübernahme an. Es lohnt sich also, direkt bei der eigenen Kasse nachzufragen.
Fazit: Vorsorge lohnt sich immer!
Vorsorgeuntersuchungen sind eine Investition in die Zukunft. Sie helfen, Probleme frühzeitig zu erkennen und zu handeln, bevor gesundheitliche Einschränkungen entstehen. Eltern sollten sich nicht scheuen, sich über mögliche Unterstützung durch ihre Krankenkasse zu informieren – denn die Gesundheit ihrer Kinder ist es wert!